Die ersten Wochen

Nun bin ich schon eine Weile in Tumbes und werde euch über meine Erlebnisse berichten. Seit meinem letzten Eintrag haben sich auch einpaar organisatorische Dinge geändert. 5 Tage vor meiner Abreise erhielt ich unerwartet eine Mail von einer weiblichen Person, die sich angeblich sehr freue, dass ich zu ihnen komme. Nach einpaar Hin und Hers mit AFS Peru stellte sich heraus, dass dies meine Gastschwester geschrieben hat. Ich bekam also eine neue Familie, die aus Mutter, Vater und einer 14 jährigen Schwester bestand. Mit ihr werde ich auch ein Zimmer teilen.  
Nun aber näher zu den ersten Eindrücke von Peru. 
Meine Gastschwester und ich 
Nachdem wir am Flughafen in Lima ankamen, wurden wir von AFS Peru abgeholt und ins Orientation Camp gefahren. Dort hatten wir die letzen Vorbereitungen, bevor ich mit 5 anderen nach Tumbes fuhr. 
Auf der 20 stündigen Fahrt von Lima nach Tumbes, genoss ich das schöne Bild der Küste, das sich vor mir aufbaute. Das Highlight der Fahrt war aber, als plötzlich Heidi im Busfernseher lief. Heidi auf Spanisch mit englischen Untertiteln. Einbisschen Heimweh kam schon auf, als ich plötzlich die schönen Berglandschaften sah. 
Am Sonntag Nachmittag wurde ich dann von meiner Gastfamilie in Tumbes empfangen. Mit einem Motorradtaxi gingen wir zusammen zu meinem neuen Zuhause. 
Am Abend der Anreise ging ich zum ersten AFS Treffen mit meiner Familie. Natürlich war es für die Austauschschüler noch sehr schwierig mit dem Gespräch mitzuhalten, aber es war trotzdem ein schöner Abend.  
Am Montag war dann schon mein erster Schultag. Als erstes mussten Rebecca (eine Austauschschülerin aus Italien, die zur gleichen Schule geht wie ich) und ich auf die Bühne der Schule. Alle klatschen und man sah die Freude über uns in den Gesichtern  der Schüler. Eine Schülerin und die AFS Präsidentin von Tumbes hielten eine Rede über uns. Da ich sowieso keine Chance hatte etwas zu verstehen, entschied ich mich für das Dauerlächeln.
Meine Schule
In meiner Klasse redeten alle sofort auf mich ein. Sie wollten alles über mich wissen, und halfen mir mit dem Spanisch. Eine Mitschülerin von mir hat sogar meinen ersten Blogeintrag auf google Transite übersetz und gelesen:) Wenn ich das richtig verstanden habe, fragten sie in Geschichte den Lehrer sogar, ob sie irgendwann einmal die Schweizer Geschichte durchnehmen könnten. Auch wenn alle meine Mitschüler 2 Jahre jünger sind als ich, fühlte ich mich schon seit dem Anfang wohl bei ihnen. 
Auch sonst ist die Schule sehr herzlich. Immer wieder werde ich in den Korridoren von Schüler angesprochen und alle reden auf mich ein. Meine Mitschüler nennen mich Königin der Schule, aber ehrlich gesagt bin ich nicht so stolz auf diesen Namen. In der oberen Klasse habe ich auch schon viele Menschen kennen gelernt, die ich sofort ins Herz schloss. Das Verhältnis von Schüler zu Lehrer ist in meiner Schule viel lockerer als im Gymnasium in Zug. Zur Begrüssung umarmt man den Lehrer und gibt im Küsse auf die Backen. Man hört Musik und tanzt während dem Unterricht und alle reden durcheinander. Was mich aber sehr erstaunt hat ist, dass ich auch am Samstag Schule haben werde. Ich habe mich aber gefreut, denn so habe ich keine Zeit an Zuhause zu denken und ausserdem ist der Samstag jetzt schon mein Lieblingsschultag. Dies ist nämlich der Tanz-, Musik-, Kunst- und Theatertag. Genau mein Geschmack:)
Mit Melissa, einer Freundin aus der Klasse
In den Tanzstunden fühle ich mich aber neben all den Peruaner eher wie ein steifes Brett als wie eine Tänzerin. 

Am Sonntag koch meine Familie Ceviche, das Nationalgericht von Peru. Dies ist ein Gericht mit rohem Fisch in Zitronen mariniert, Zwiebeln und Gemüsen. Den Abend verbrachte ich mit meinen zwei Gasttanten, ihren Kindern und meiner Gastschwester beim Plaza de Armas.  
Am Montag fing die Schule wieder an. Zuerst stellten sich alle Klassen auf dem Pausenhof auf, und der Direktor hielt eine Ansprache. Danach sang die ganze Schule die peruanische Hymne, dann die Hymne von Tumbes und zu guterletzt die Hymne von meinem Kollegium. Montag war nebst dem Hymnentag auch der Naturwissenschaftsdemonstrationstag (auf Spanisch klingt der Name besser:). Hierfür stellten sich alle Schüler mit einem Tisch auf, um ihre Projekte vorzustellen an denen sie momentan arbeiteten. Ich war ziemlich erstaunt als mir 9 Jährige ihre chemischen Projekte vorstellten. 

Mit dem Spanisch komme ich schon gut voran. Die Schule ist momentan noch sehr schwierig für mich, aber dadurch dass nur eine Person in meiner klasse fliessend Englisch spricht, habe ich schon nach einem Tag viele Fortschritte gemacht. 

Plaza de Armas
Ich muss aber ehrlich zu geben, dass ich momentan noch mit einem starken Kulturschock zu kämpfen habe. In meinem Zuhause gibt es kein flüssiges Wasser, was leider auch das Spülen der Toiletten betrifft. Die Essensreste wirft man zum Teil einfach auf den Strassenrand, und überall liegt Plastikabfall auf den Strassen.  Auch sonst habe ich die Seiten des dritt Weltlandes zu spüren bekommen. Meine Gastschwester hat zum Teil keine Schule, weil sie an eine öffentliche Schule geht und der Staat diese momentan nicht bezahlen kann. Als Resultat der teils schlechten Bildung, habe ich mit Menschen gesprochen, die im Internet nachschauen mussten, was das Gegenteil von „immer2 ist.
Ich habe viel über dritt Weltländer gewusst bevor ich nach Peru ging, aber es mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben ist ein anderes Wissen.

Bis bald
Milena

In Peru muss man traditionellerweise den Kopf in die Torte stecken am Geburtstag
Mit Freundinnen aus meiner Klasse
Einkaufen in Peru
Am Fest für die Naturwissenschaften an der Schule
Mit Michel, einer Freundin aus der Schule. Auf diesem Bild sieht man auch nie Müdigkeit, mit der ich in letzter Zeit vor lauter Spanischeren zu kämpfen habe




Mit meiner Gastcousine auf dem Plaza de Armas

Rundfahrt mit meinen Tanten beim Plaza de Armas
                                    
                                Das erste Alpaka, das ich gesehen habe 
Meine Wohnung von aussen


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