100 Tage
Nun habe ich 100 Tage eine fremde Sprache gesprochen, 100 Tage neue Menschen kennen gelernt, und bin 100 Tage in eine fremde Kultur eingetaucht. .
In diesen 100 Tagen habe ich so viel über das Leben in Peru gelernt. Nun ist es Zeit für einen kleinen Rückblick. Dies mithilfe meines Austauschalphabets.
A wie Alles geben:
Gerade wenn es um Teamgeist geht sind Peruaner (die, die ich auf jeden Fall kennen gelernt habe) sehr ehrgeizig. Auch wenn man seinen Fuss verletzt hat und nicht mehr laufen kann, spielt man weiter und gibt nicht auf. Lieber das Spiel zu Ende spielen, und die Woche mit Krücken herumlaufen als aufzugehen.
B wie Begrüssung:
Peruaner nehmen Begrüssungen sehr ernst. Am Morgen grüsst man mit Buenas Dias, nach dem Mittagessen mit Buenas Tandes, nach dem Abendessen mit Buenas Noches und vor dem Schlafen verabschiedet man sich mit ‚Hasta mañana‘. Wenn man plant nach Peru zu reisen, sollte man sich dies fest in den Kopf einprägen, denn Peruaner empfinden es als sehr unhöflich und beleidigend, wenn man dies nicht einhält.
C wie Ceviche
Ceviche ist das Nationalgericht von Peru und im ganzen Land bekannt, 99 Prozent sehen es als ihr Lieblingsessen und ich habe in meiner Perukariere noch keinen Peruaner kennergelehrt dem es nicht schmeckt.
„Roherfisch in Limettensauce mit Zwiebeln serviert“ Ich muss ehrlich zugeben, es klingt nicht einladend. Deshalb diskutieren wir lieber nach dem Probieren weiter, denn auch ich gehöre zu diesen 99 Prozent.
| Ceviche von meiner Gastmutter und mir zubereitet |
D wie direkte Menschen:
Peruaner sind sehr direkte Menschen. So sagen sie gerade heraus, wenn jemand an Gewicht zu genommen hat oder andere unschöne Körpermerkmale hat. Man muss aber anmerken, dass dies besonders das Esthetische betrifft. Wenn es nämlich um Eigenschaften der Menschen geht, sind sie überhaupt nicht direkt. Dann nehmen sie den Weg hintendurch und lestern.
E wie Essen
Essen ist mit Abstand das wichtigste für Peruaner, jedenfalls fühlt es sich so an. Beim Abendessen wird besprochen, was es am nächsten Tag zum Frühstück gekocht wird. Meistens wird schon am Morgen Fisch und Fleisch mit 3 verschiedenen Säften aufgetischt. Während dem Essen diskutiert die ganze Familie dann was es zum Abendessen geben sollte.
Neben dem Schulrucksack nehmen die meisten Schüler einen separaten Sack für Essen mit, um während Mathematikunterricht ihre Leckereien zu essen.
In meiner Familie hier bin ich bekannt für das Mädchen mit dem Katzenmagen, obwohl ich ehrlich gesagt nicht sehr wenig esse.
| Ein traditionelles peruanisches Gericht |
Die peruanische Küche ist in der ganzen Welt für eine der besten Küchen bekannt. Dies kann ich wirklich bestätigen.Die alltäglichen Gerichte erscheinen mir zwar nicht sehr abwechslungsreich. Meistens gibt es Reis, Kartoffeln, Linsen und Fleisch. wenn man aber die verschiedenen Speisen im ganzen Land vergleicht, wird einem die grosse Esskultur bewusst. Anhand der peruanischen Speisen kann man ausserdem die Einflüsse verschiedener Länder sehen. So ist Ceviche beispielsweise stark von angesiedelten Japaner geprägt worden.
F wie Fiesta
Peruaner lieben es zu feiern und zu tanzen. Um ein Fest zu veranstalten, muss auch nicht zwingend ein Geburtstag der Grund sein.
Die Feste bestehen aus Essen, tanzen und gigantische Kleider. Jeder Eingeladene sieht meistens so aus, als würde er gerade heiraten.
Für spezielle Geburtstage (bei Frauen beispielsweise der 15. Geburtstag) wird ein riesiges Spektakel organisiert, und viele Familien verschulden sich wegen solchen Geburtstagen.
G wie grauenhafte Kleider
Ein steht sicher: Wegen schönen Klamotten muss man nicht nach Tumbes fahren. Es wundert mich auch überhaupt nicht, dass meine Kollegen immer wieder den dreistündigen Weg nach Plura (Nächstliegende grosse Stadt) auf sich nehmen, um Klamotten zu kaufen. Womit Tumbes jedenfalls bieten kann, sind schlecht gefälschte Markenklamotten und neonfarbene
H wie Horrorfilme
Ich bin in diesem halben Jahr zum Entschluss gekommen, dass Horrorfilmbranchen am meisten Profit in Peru machen. 13 jährige Mädchen und ganze Familien sitzen zusammen im Kino, um den neuesten Horrorfilm anzusehen. 3/4 des Kinoprogramms besteht immer aus Horrorfilme. Bei mir ist es beim ersten geblieben.
I wie Ins Telefon reinbrüllen
Wenn Peruaner telefonieren bekommen auch die Passagiere sieben Reihen hinten das Gespräch mit. Brüllen ist schon fast eine Untertreibung, schreien ist das passendere Wort. Am Anfang erschrack ich immer sehr und dachte dass Peruaner immer wütend telefonieren bis mir klar wurde, dass dies nur an den starke Stimmbänder liegt :)J wie jodeln
Wenn man einen Peruaner zu lachen bringen will, muss man ihm nur ein Jodelvideo zeigen und sie kriegen sich nicht mehr ein.
J wie Jodeln
Wenn man Peruaner zum lachen bringen will, muss man ihnen nur ein Jodelvideo zeigen und sie kriegen sich nicht mehr ein.
K wie Kirche
Religion ist in Peru sehr wichtig. Eine der ersten Fragen an mich ist immer, ob ich katholisch sei und ob ich an Gott glaube. Viele Familien hier gehen jeden Samstag und Sonntag in die Kirche.
Auch im Alltag merkt man den Einfluss der Religion. So sagen Peruaner oft anstatt bitte ‚Gott ist zu danken’‘, Aufmunterung sind nicht wie in der Schweiz Sätze wie ‚Das kommt schon gut‘ sondern immer ‚Gott ist hier oben, sieht dich und beschützt dich‘ oder ‚Gott ist mit dir‘.
Auch im Alltag merkt man den Einfluss der Religion. So sagen Peruaner oft anstatt bitte ‚Gott ist zu danken’‘, Aufmunterung sind nicht wie in der Schweiz Sätze wie ‚Das kommt schon gut‘ sondern immer ‚Gott ist hier oben, sieht dich und beschützt dich‘ oder ‚Gott ist mit dir‘.
Der Schultag beginnt ausserdem immer mit einem Gebet und manchmal müssen wir obligatorisch in die Sonntagsmesse.
L wie Lebensschule
Ein Austauschjahr bedeutet nicht einfach ein Jahr voller Abenteuer. Man geht alleine in ein fremdes Land und muss sehr oft mit unangenehmen und schwierigen Situationen klar kommen. In diesen Situationen hat man meistens niemanden, der einem hilft; man ist eben auf sich alleine gestellt. Dies ist genau der Grund weshalb man an einem Austauschjahr sehr wächst, weil man (vorallem am Anfang) nur sich selber hat. Ich will zu einem späteren Blogeintrag näher auf dieses Thema eingehen.
M wie Motortaxi
In meiner Stadt gibt es keinen öffentliche Verkehr. Da eigentlich fast keiner ein Auto besitzt, bewegt man sich hier mit Motortaxis oder Autotaxis fort.
| Von den Motortaxis musste ich gerade zwei Bilder posten. Ich liebe es einfach, mit diesen durch Tumbes zu düsen. |
N wie Nestle
Ich habe im Leben noch nie so viele Nestleprodukte gesehen wie in Peru. Es scheint mir, als wäre jedes zweite Produkt von Nestle. Natürlich wusste bis jetzt noch keiner, dass diese Firma in der Schweiz gegründet wurde. Ehrlich gesagt wäre ich aber auch nicht sehr erfreut, wenn dies das Einzige wäre, was sie von der Schweiz wüssten.
O wie ohrenbetäubender Gesang
Peruaner lieben es zu singen. Sie singen während sie waschen, kochen, Autofahren etc. Ich will damit aber nicht sagen, dass sie durch die viele Übung talentierte Sänger sind. Meistens die ganze Familie im Auto und brüllt möglichst laut ein Lied. Auf Autofahrten werde ich dafür sehr gut unterhalten.
P wie Parfume
Bevor Peruaner das Haus verlassen, halten sie immer vor dem Schminktisch an und sprühen ihren Körper mit Parfume ein. Meistens muss auch ich darunter leiden, da meine Mutter mich meistens auch noch einparfümiert.
Parfums war auch das erste Geschenk, das ich hier in Peru bekam.
Q wie quatschen
Peruaner lieben wie eigentlich alle Südamerikaner zu quatschen. Während wir Schweizer sich oft schwer tun, mit fremden Menschen zu sprechen, ist es für Peruaner ganz normal im Supermarkt mit Fremden einmischen zu quatschen.
R wie relax
Peruaner lieben es zu faulenzen. Den perfekten Sonntag verbringen sie im Haus vor dem Fernseher, in der einen Hand die Fernbedienung und in der anderen Hand ihr Handy. An solchen Tagen stehen sich vom Sofa auf um auf die Toilette zu gehen oder Essen zu holen.
Die Faulheit betrifft aber nicht nur die Wochenende. Ich habe mit der zeit aufgehört meine Freunde zu fragen, was sie nach der Schule gemacht haben. „Ich bin nachhausegekommen. Ich weiss gar nicht….. Schlafen, Handy….Essen ?!“
Wie ihr wisst bin ich ein sehr aktiver Mensch. Es war schwierig sich mit dieser Faulheit abzufinden, doch man gewöhnt sich daran und nun fange ich es sogar an zu geniessen.
In dieser vielen freien Zeit habe ich zum Beispiel angefangen, Gitarre zu spielen.
S wie Selfi
Peruaner lieben es, Selfi zu machen. Egal wo man hingeht, sei es auch nur in den Supermarkt, in einem Foto muss alles festgehalten werden. Man könnte ja meinen, dass sie durch die Übung folglich begabte Selfimacher sind. Dies ist nicht der Fall. Wenn man mit der Familie oder Freunden an eine Party geht, muss man also damit rechnen, dass 50 unvorteilhafte Bilder auf Facebook gepostet werden.
T wie Tumbes
Bevor ich nach Peru kam, wusste ich von Tumbes, dass es eine hässliche Stadt ist. Dies haben mir auf jeden Fall die wenigen Peruaner gesagt, die ich kannte. Wenn man die Räumlichkeiten anschaut haben sie auch ganz klar Recht. Tumbes ist sehr dreckig und stinkig. Überall liegt Plastikabfall herum und alles ist verstaubt. Ich bin aber sehr glücklich mit Tumbes, denn ich wollte das Leben der Peruaner kennen lernen und nicht die touristischen, sauberen Städte. Was mich aber einmischen stört an Tumbes ist, dass es sehr wenig anbietet. Wenn man mit Freunden weggehen will kann man Essen gehen, an den Strand fahren, ins Kino gehen, aber das wars dann auch.
U wie Unterrichtsmaterial
In Tumbes gibt es zwei Variationen von Unterrichtsmaterial: Mit Disneyprinzesinnen oder mit Cars.
So es ist es überhaupt nichts spezielles 23-Jährige Studentinnen mit „Cinderellahefte“ oder „Carsetuis“ zu sehen.
V wie verrückte Peruaner
Peruaner sind im Schweizerin Denken allgemein sehr verrückt. Oft fühle ich mich wie im Kindergarten, obwohl ich mit lauter erwachsenen zusammen bin. Es wird Lauthalt gelacht und herumgeschrieen.
Diese Verrücktheit hat aber bestimmt auch viel mit der lockeren Art der Peruaner zu tun. Wir Schweizer haben oft das Gefühl sich zu blamieren und handeln dementsprechend verklemmt. Hier lebt man einfach und denkt nicht so viel über solche Sachen nach. Man tanzt, auch wenn man es nicht kann (was fast nie der Fall ist); man singt, auch wenn man es nicht kann (was sehr oft der Fall ist :)
W wie warten
Warten etwas Grundlegendes, mit dem man sich in Peru abfinden muss. Wir treffen uns um 14.00 Uhr heisst um 14.00 mache ich mich parat, damit ich um 15.30 am Treffpunkt bin.
Dies betrifft auch die Schule, denn diese beginnt eigentlich um 7.30, der Lehrer trifft meistens um 8.00 ein und die letzten Schüler um 09.00..
Ich erinnere mich ausserdem an eine Einladung von meiner Schule für eine obligatorische Sonntagsmesse. Es stand explizit um 08.30 (pünktlich !!!!!). Der Lehrer traf dann um 9.00 ein, die Schüler um 09.45 und die Messe begann schlussendlich um 10.00.
X wie X-ten mal vorbei gehen.
Man muss immer mit drei Besuchen rechnen, wenn man öffentliche Angelegenheiten erledigen muss. Vielleicht hat die Post früher Mittag gemacht, oder die Angestellten sind überhaupt nicht informiert, oder sie sagen einem dann trotzdem, dass man noch ein anderes Dokument braucht, usw.
Für ein Packet aus der Schweiz musste ich zum Beispiel 10 Mal zur Post und 4 Mal zur Bank gehen, um es dann schlussendlich abzuholen.
Eines steht fest: Ich musste sehr am meiner Geduld arbeiten.
Y wie Yuka
Yuka ist ein typisches Nahrungsmittel aus Südamerika und wird auch in Peru oft gekocht. Mich erinnert es an Kartoffeln, die weniger trocken sind. Sehr lecker.
Z wie Zwei BeilagenIn
In Peru existieren Essen mit nur einer Beilage nicht. So gehört neben dem Reis immer Kartoffeln, Teigwaren oder Süsskartoffeln auf den Teller. Sogar im Hamburger sind zusätzlich noch Kartoffeln versteckt.
Nun noch ein abschliessendes Bild. Ich war letzte Woche mit meiner Klasse auf der Promotionsreise in Ecuador.
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