Ein prägendes Jahr

Ein Austauschjahr ist mit vielen Abenteuer und neuen Erfahrungen verbunden. Ich habe wunderschöne Erinnerungen von diesen sechs Monaten und ich mag mein Leben hier, doch trotz allem gibt es auch wirklich schwierige Situationen. Situationen, in denen man am liebsten wieder zuhause in seiner Confortzone wäre und sich fragt warum man dieses Jahr überhaupt auf sich nimmt. In der Schweiz hört man immer wieder das ein Austauschjahr wie Ferien sei, doch ich glaube jeder Austauschschüler würde bestätigen, dass das nicht wahr ist. Man lebt in einer anderen Kultur. Das heisst nicht einfach, dass das Klima und die Sprache anders ist. Man lebt mit Menschen zusammen, die ganz anders denken und leben. Vorallem am Anfang verstärkt dies das Gefühl, allein und ganz auf sich gestellt zu sein. 
Nun möchte ich gerne darüber sprechen, was ich aus all diesen schwierigen Situationen lehren konnte. 

-Geduld. 
Peruaner sind oft total unorganisiert und extrem spontan. Ich habe gelehrt, sich in solchen Situationen nicht gleich aufzuregen, ruhig zu bleiben und keines Falls mit der Schweiz zu vergleichen. Mit mir selber bin ich aber auch viel geduldiger, und lasse mir viel mehr Zeit als früher. 

-Im Moment zu leben
Mir ist aufgefallen, dass ich viel mehr im Moment lebe als in der Schweiz. Erstens weil man in einem Austauschjahr nie weiss, was am nächsten Tag auf einem zu kommt. Zudem sind Peruaner sehr spontane Menschen und mit ihnen Pläne zu machen ist fast immer reine Zeitverschwendung. Meistens sind die spontanen Erlebnisse auch die schönsten. 

-Ich habe gelehrt, treu zu mir zu sein und nein zu sagen, wenn ich etwas nicht will und mir nie etwas vorzumachen, denn schlussendlich weiss man tief in einem immer ob sich etwas richtig oder falsch anfühlt. Ich lebe mehr wie ich leben will und nicht so, wie andere es wollen. 

-Ich habe gelehrt, dankbar für Dinge in der Schweiz zu sein, die für mich selbstverständlich galten.
Dazu gehören Dinge wie zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel, gute Luft, fliessendes (und warmes) Wasser, die fantastische Bildung, die wir in der Schweiz haben und noch viele andere Punkte.
Abschliessend kann ich sagen, dass ich die Schweiz nun aus ganz anderen Augen sehe.

-Ich habe gelehrt Spanisch zu sprechen. 
Dies ist wahrscheinlich der offensichtlichste Punkt. Jetzt nach vier Monaten habe ich mit Spanisch im Allgemeinen keine Probleme mehr. 


Positiv zu denken
In einem Austauschjahr lässt man alles Bekannte für ein Jahr zurück und geht and einen Ort, den man nicht kennt. Die erste Zeit ist für die Meistens die härteste Zeit des ganzen Jahres. Man ist plötzlich für viel mehr verantwortlich und das Einzige, das man am Anfang kennt, ist sich selber. Man hat niemandem, dem man seine Sorgen erzählen kann und ist total auf sich alleingestellt. Ihn dieser ersten Zeit habe ich gelehrt immer positiv zu bleiben. Ich überstand die erste Zeit nur, weil ich mir immer positiv zugeredet habe und mich motiviert habe. Im Verlaufe habe ich dieses Denken ausgeprägt. Ich habe gelehrt jeden Moment so zu nehmen wie er ist und das beste daraus zu machen. Oft sind die Dinge, die einem so schlecht erscheinen gar nicht so schlimm. 

-Ich bin viel weltoffener.
Dies ist für mich der wichtigste Punkt dieses Eintrages. Als ich nach Peru kam, litt ich am Anfang unter einem grossen Kulturschock und dachte ernsthaft, dass ich nie Freunde in diesem Land finden werde. Ich konnte mich aber nach Anfangsschwierigkeiten gut einleben und fand auch sehr gute Freunde. Dies jedoch nur, weil ich mit einer grossen Toleranz gegenüber Mitmenschen auf diese Leute zu ging. 
Ich habe in meinem Austauschjahr gemerkt, dass ich mich mit viel mehr Arten von Menschen eine superschöne Zeit haben kann. Da ich in der Schweiz eine sehr aktive Person mit Sport, Musik und Theater war, hatte ich schon dort sehr unterschiedliche Freunde. Nun bin ich aber viel toleranter, und sehe Eigenschaften, die mich früher an anderen Personen gestört haben, viel unwichtiger als Freundschaftsgrundlage. 

Dinge zu akzeptieren
Ich bin viel weniger Perfektionist als vor meinem Austauschjahr und es ist für mich viel einfacher geworden, Dinge zu akzeptieren, die man am Anfang vielleicht nicht akzeptieren will. Ich habe gelernt, dass Nichts perfekt ist und dass man dies akzeptieren muss. Diese ist für mich nun auch gar kein Problem mehr, denn mit einer positiven Lebenseinstellung und Lebensfreude kann man sich trotzdem eine schöne Zeit machen. 


Es würde noch unzählige andere Dinge geben die ich zu dieser Liste hinzufügen könnte. Vieles wird mir wahrscheinlich auch erst im Nachhinein meines Austauschs auffallen.
Tierli hend mich schon immer glücklich gmacht.

Kommentare

Beliebte Posts